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Das Glück der kleinen Dinge

Jim Jarmusch zeigt sich in all seinen Filmen als Menschenfreund, als nostalgischer Optimist, der an das Gute glaubt und dessen Herz für die Träumer schlägt. In keinem Film spitzt er diese melancholische Poesie des Unaufgeregten so schlicht und schön zu, wie in seinem vielleicht persönlichsten Film „Paterson“, für den er dieses Jahr in Cannes von der Kritik zurecht gefeiert wurde.

Jarmusch begleitet eine Woche lang einen jungen Busfahrer in seiner Kleinstadt in New Jersey, die den gleichen Namen trägt wie er selbst: Paterson. „Paterson“ so heißt auch der bekannteste Gedichtband des Lyrikers William Carlos Williams, der dieser Industriestadt in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ein literarisches Denkmal setzte. Paterson, der Busfahrer im Film, hat sich diesen Poeten zum Vorbild genommen und schreibt in seinen Pausen kleine aus Alltagsbeobachtungen inspirierte Gedichte in sein Notizbuch. Auf seinen Fahrten erhascht er immer wieder semiphilosophische Gesprächsfetzen seiner Fahrgäste (hier gibt es auch ein Wiedersehen mit den beiden jugendlichen Hauptdarstellern aus Wes Andersons „Moonrise Kingdom“).

Gemeinsam mit seiner Frau Laura und der mürrischen Bulldogge Marvin lebt Paterson in einem kleinen Haus, das sich täglich ein Stück weit verändert, weil seine Gattin sich nicht nur als Cupcake-Bäckerin und Singer-Songwriterin versucht, sondern sich im trautem Heim auch als Innenarchitektin verwirklicht, die alles was ihr in die Hände fällt in ihren Lieblingsfarben schwarz und weiß anmalt. Kein Tischtuch oder Duschvorhang, keine Gitarre oder T-Shirt ist vor ihrer Begeisterung für Tupfer, Kringel und Streifen sicher. Paterson erfreut sich still an der überbordenden Kreativität seiner Frau, und auch sie empfindet tiefes Verständnis für seine Liebe zur Poesie und den Gedichte, die er ihr widmet.

„Paterson“ erzählt ganz leise und lakonische Geschichte, ihre Figuren tragen keine großen Konflikte aus, und so ist der Film eher als Gegenentwurf zum zynischen, realitätsfernen und reißerischen Action Kino zu verstehen. Als Zuschauer muss man die Muße für ein solch kontemplatives, plot-armes Werk mitbringen, um in den vollen Genuss dieser berührenden und tiefgründigen Meditation über den Kreislauf des Lebens zu kommen. Dann aber wird man garantiert verzaubert und angesteckt von der Liebenswürdigkeit, Unschuld und dem Staunen über all die kleinen Details im nur vermeintlich routinehaften Tagesablauf seines Protagonisten. Dann kann einem nicht einmal mehr die Laune der Natur, die einen Hund wichtige Aufzeichnungen zerkauen lässt oder das Wahrnehmen kosmischer Anomalien wie das tägliche Erblicken verschiedener Zwillingspaare aus der Ruhe bringen.

Kameramann Frederick Elmes, der für die herausragenden Bilder in David Lynchs „Blue Velvet“ und Ang Lees „Der Eissturm“ verantwortlich war und auch bereits für Jarmusch drei Filme (u.a. Broken Flowers, und Night on Earth) drehte, liefert auch hier eine beeindruckende Arbeit ab. Manche Einstellungen könnte man sich glatt als Stilleben an die Wand hängen, so atemberaubend ikonisch sind sie fotografiert. Die Gedichte im Film stammen übrigens von Jarmuschs zeitgenössischem Lieblingsdichter Ron Padgett, der die meisten davon extra für den Film schrieb. Den mit analogen Synthesizerklängen durchzogenen soghaften Ambient-Soundtrack, der sich stimmungsvoll dem Erzählrhythmus anpasst, steuerte Jarmuschs Band Sqürl bei.

Paterson
USA 2016 – Drama
Regie & Drehbuch: Jim Jarmusch
Darsteller: Adam Driver (Gefühlt Mitte Zwanzig), Golshifteh Farahani (Exodus – Götter und Könige), Jared Gilman (Moonrise Kingdom), Kara Hayward (Moonrise Kingdom), Barry Shabaka Henley (State of Play)
Länge: 117 Minuten
Kinostart: 17. November 2016
Läuft wo: Camera Zwo Saarbrücken
Wertung: 8 von 10
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