Mit ihrem Serpentinentanz aus Seide und Licht und die Arme verlängert durch Bambusstäbe revolutionierte Loïe Fuller gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Bühnenkunst und wurde durch ihre Auftritte im Folies Bergère zur berühmtesten und bestbezahlten Tänzerin ihrer Zeit. Trotzdem erinnert sich heute kaum noch jemand an sie. Eine historische Ungerechtigkeit, die die französische Filmemacherin Stéphanie Di Giusto korrigiert, indem sie der Pionierin des modernen Tanzes – gespielt von Popmusikerin Soko – ein eindringliches filmisches Denkmal setzt. Sie zeigt Fuller als Rebellin, die mit schonungslosem Körpereinsatz und enormem Erfindergeist (sie entwickelte ihre eigene Bühnenbeleuchtung und erfand im eigenen Chemielabor phosphoreszierendes Salz, das sie auf ihre Kostüme aufbrachte) künstlerische Grenzen sprengte. Mit großer Nähe zu ihrer einzigartigen Heldin entwirft Di Giusto in faszinierenden Bildern (eingefangen von Gaspard Noes Kameramann Benoît Debie) ein Sittenbild der Belle Époque, das Fullers Lebensweg von der Wildnis des amerikanischen Westens bis in die heiligen Hallen der Pariser Oper nachzeichnet. Und dennoch ist „Die Tänzerin“ weniger klassische Biografie als vielmehr eine konsequent kompromisslose Annäherung an einen anarchischen, genialen Freigeist, den man mit Fug und Recht zu den Mitbegründern der Multi-Media-Kunst zählen sollte.
OT: La Danseuse F, B 2016 – Drama – Biopic
Regie: Stephanie Di Giusto (Debüt)
Drehbuch: Sarah Thibau & Stephanie Di Giusto (Debüt), Thomas Bidegain (Ein Prophet)
Darsteller: Soko (Her), Gaspard Ulliel (Hannibal Rising), Mèlanie Thierry (A perfect day), Lily-Rose Depp (Tusk), Amanda Plummer (Die Tribute von Panem)
Länge: 108 Minuten
Kinostart: 03. November 2016
Läuft wo: CameraZwo Saarbrücken
Wertung: 8 von 10
Kino & Filme
Die Tänzerin

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