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Kino & Filme

Seefeuer

Francesco Rosi war der große Gewinner bei der diesjährigen Berlinale. Er hatte zuvor ein Jahr auf Lampedusa zugebracht, filmte dort selbst auf den Flüchtlings- u. Rettungsbooten. In „Seefeuer“ zeigt er aber weniger die Not der anonymen Flüchtlinge, als vielmehr den Alltag der Inselbewohner. Am Beispiel eines kleinen Jungen, der dort aufwächst und für den diese gestrandeten Fremden nichts weiter als eine kaum wahrnehmbare Randerscheinung sind, führt er den Zuschauern deren eigene teilnahmslose Perspektive auf diese Tragödie vor Augen. Alles scheint für die Fischergemeinde seinen gewohnten Gang zu gehen, obgleich sie nur wenige Kilometer von der humanitären Katastrophe trennen. Und dann blendet Rosi mit einem genialen Schachzug auf einen Arzt, der Fotos zeigt am Bildschirm von Toten, Verstümmelten und Menschen, deren Haut durch ein Gebräu aus Benzin, Salzwasser und Urin verätzt ist. Er muss weinen, und in diesem Moment, geht seine Verzweiflung über auf den Zuschauer. Das Grauen wird einen kurzen Moment lang greifbar. Aber ob das wirklich die fast zwei Stunden an Fischerromantik und nervig Spaghetti schlürfenden Kindern aufwiegt, bleibt fraglich. Eine Jury, die hier sicherlich das Thema VOR die Umsetzung stellte, als sie urteilte, mag der Film vielleicht für sich eingenommen haben, an der Kinokasse wird ihn mit Sicherheit ein weitaus schwierigeres Los treffen.
2016 – OT: Fuoccammare – Dokumentarfilm
Regie & Drehbuch: Gianfranco Rosi (Das andere Rom)
Mitwirkende: Pietro Bartolo, Maria Costa, Mattias Cucina, Samuele Caruana
Länge: 114 Minuten
Kinostart: 28. Juli 2016
Läuft wo: Camera Zwo Saarbrücken
Wertung: 7 von 10

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