Gerade weil die letzten Wochen für richtig viel Geselligkeit in den sommerlichen Locations von ULANENHOF, und SILODOM bis zur Fensterbank des JULES VERNE oder zum Innenhof des MAUERPFEIFFER gesorgt hatten. Aber beschweren darf sich da niemand, denn genau so herrlich wurde in den üblich verdächtigen Orten des Nachtlebens das Ende der zahlreichen Sommerpausen begangen. Obwohl, wenn man mal genau hinsieht, richtige Sommerpausen gab es dieses Jahr kaum noch, von der 100 TAGE BAR mal abgesehen, lediglich der Freitag wurde eingestampft und hier und da das Programm etwas zurück gefahren.
Unterm Strich also genug Feierei um auch diesen Monat jene Kolumne hier mit reichlich Material zu versorge. Aber der Reihe nach …
Beginnen müssen wir
mit einem der weniger angenehmen Ereignisse des letzten Monats. Der schnuckelige Club ALICE in der Kohlwaagstraße hat leider im September für immer geschlossen. Das bemerkenswert ambitionierte Programm hat letztlich nicht gereicht. Nach SCHICKI MICKI, HENRY’S, THE CAGE, ETAGE EINS und STUDIO 111 also das nächste Konzept, das an diesem zumindest traditionsreichen Ort gescheitert ist. Schade, denn gerade im ALICE wurde so viel Herzblut und Kreativität in einen Nachtclub investiert wurde, wie wohl schon lange nicht mehr. Die einzig gute Nachricht in diesem Zusammenhang ist das Überleben des Konzepts was die Veranstaltungen angeht, denn die werden jetzt in anderen Clubs fortgeführt. Die NEBEL Reihe geht zum Beispiel schon diesen Monat im HIRSCH neben der KUFA an den Start. Das Aus für das ALICE war dann auch leider automatisch das Ende für den WUNDERSTRAND, ex-POTATO ISLAND, an der Bismarckbrücke, der aber diesen Sommer wegen des, nett ausgedrückt, wechselhaften Wetters, ohnehin kaum Besucher verzeichnen konnte. Schade ist es trotzdem und es bleibt zu hoffen, dass beide Locations schnellstmöglich neue Konzepte und entsprechende Betreiber finden. Nun aber zu wesentlich angenehmeren Auffälligkeiten und da fällt unser Blick als erstes auf Saarbrücker Auslandsaktivitäten. Gemäß der Maxime, warum kleckern wenn wir auch klotzen können, gab das NASCHKATZEN Label um KC, Tim Slawik und Marc-Alan Gray schon am letzten Augustwochenende seinen erfolgreichen Event Einstand nirgendwo anders als in der Welthauptstadt der Popkultur, im London. Zusammen mit dem internationalen Main Act „Kevin Knapp“ konnte hierfür mit dem MAGIC ROUNDABOUT eine der derzeit angesagtesten Outdoor/Off Locations in London gewonnen werden. Bei ausgelassener Stimmung, tollem Open Air Wetter und super Gästen gab es dabei das beste wie auch aktuellste aus der Deep, Tech sowie Underground House Szene auf die Ohren. Die Megastimmung setzte sich dann auch bei der Aftershow-Party im SHELTER CLUB ungebremst fort. Für die Zukunft ist eine weitere und langfristige Zusammenarbeit mit den in London geknüpften Kontakten geplant. Man darf gespannt sein, was noch folgen wird! Das war’s es aber noch lange nicht mit den Auslandsaktivitäten der Saarbrücker Clubszene, wenn gleich es zum nächsten Event nur ein paar Meter hinter die Grenze ging. Im Großblittersdorfer CAFE DE LA PAIX, beziehungsweise im direkt dahinter angeschlossenen Kino- und Festsaal SALLE JESPERE stieg mit einiger Sicherheit das absolute Partyhighlight des letzten Monats. Was streng genommem eigentlich eine private Feierlichkeit war, versammelte dennoch das Who is Who der Saarbrücker
In-Crowd, inklusive solch ewiger Partyikonen wie Sabine „ex-H“ L., Alexandra „Pailletten statt Indianerschmuck“ B., Klaus „Oktoberfest“ D. oder Gaetano „irgendwas mit Krimi“ L. um nur einige wenige zu nennen. Feierte hier doch mit Anne B. eine ehemalige, langjährige CLUB NUBER ONE und SPACE PARTY Thekengöttin einen runden Geburtstag, der ihrem Aussehen nach zu urteilen, nur den Schluss übrig ließ, dass sie sich bei den angesprochenen Gastrojobs noch im Kindergartenalter befunden haben muss. Aber Aussehen und Klamotte war sowieso das Ding dieser Sause, denn die Party stand unter dem Motto „Cabaret“ in Anlehnung an das cinematographische Meisterwerk mit Liza Minelli. Praktisch alle Gäste waren im Kostüm der späten Zwanziger und Dreißiger Jahre erschienen und dieser Anblick war einfach unbeschreiblich, denn auch die Location sah genau so aus, als ob sie seit jener Zeit im Dornröschenschlaf gelegen hätte. Tatsächlich stammte die Dekoration des Saales, inklusive Kronleuchtern und rotem Samt an den Wänden, auch aus dem Jahr 1928 und war eigentlich vor gut drei Jahrzehnten wegen eines gewissen Renovierungsstaus stillgelegt worden – zum Glück. So bot sie den perfekten Rahmen für eine rauschende Ballnacht wie sie Saarbrücken lange nicht mehr gesehen hatte. Ach ja, und der Preis für das gelungenste Outfit ging zu gleichen Teilen an die hinreißende Gastgeberin im perfekten Charleston-Look, Architekt Stephan S. als dienstfreiem Soldaten und Schuhgott Mirko S. als jüdisch-orthodoxe Interpretation eines Prohibitions-Gangsters. Schade nur, dass die wirklich betagte Location eher in sich zusammen stürzt als noch eine solche Nacht zu überstehen. Aber zum Glück müssen wir ja nicht immer auf Reisen reisen, um auf Saar-Standard zu feiern, das geht in unserer kleinen Metropole selbst immer noch am besten. Wer beispielsweise jetzt denkt, er hätte bei den letzten HEARTBEATS nichts verpasst: WHITE gefehlt! Denn diesmal gab es nicht nur Leckeres für die Ohren, sondern auch noch ordentlich was für die Augen: denn die HEARTBEATS-Jungs ließen das SOHO komplett in weiß erstrahlen. Dazu noch die vielen Party-People in weißem Outfit – das war schon wirklich ein prächtiger Anblick. Zu den Gute-Laune-Beats von Splash und Snow wurde oben auch ordentlich abgefeiert. Im Keller war es dann fast noch heißer, denn dort waren die Leute bei DJ Stereotonie tatsächlich „on Fire“ (Will Griggs ließ grüßen) – der Wahnsinn, was da abging. Das nächste Event am leider erst im Dezember, aber bei dem Feier-Level was diese Crew immer wieder an den Tag legt sollte man sich die HEARTBEATS CHRISTMAS EDITION auf keinen Fall entgehen lassen. Richtig was auf die Beine gestellt hat auch das neue Betreuerteam vom BLAU. Da wurde der Sommer genutzt um gleich mal eine ganze weitere Etage zu annektieren und so wurde der Eingangsbereich jetzt aus dem angestammten Hinterhof zur Ufergasse hin nach vorne direkt in die Hettlage Passage verlagert. Das ehemalige Ladengeschäft im Erdgeschoss ist nun seit ein paar Wochen das neue, überaus schmuck ausgestaltete Entrée und man hat gerade in jüngster Vergangenheit so einiges munkeln hören, dass damit die Expansionsbestrebungen des Traditionsclubs noch lange nicht am Ende sind. Das würde ja dann auch zur programmatischen Erweiterung passen, denn seit Wochen schon freut sich die Gerüchteküche auf den neuen Freitag im Schwitzkeller, der unter dem Arbeitstitel DER FREITAG WIRD BLAU schon im Vorfeld für reichlich Furore sorgte. In dem Maße, in dem der Samstag sich wieder Richtung Elektronik weiter entwickelt hat, soll der Freitag unabhängiger bis rockiger werden.
Das alles natürlich unter Ausnutzung der insgesamt drei neu ausgestalten Flors, von denen vor allem die mehr als ansehnliche neue Paletten LOUNGE als wahrer Augenschmaus für viel Begeisterung sorgte.
Ein weiterer Grund zu großer Freude war die Rückkehr von Big Daddy Klaus R. in die alte Clublady. Sein erstes Gastspiel an altbewährter Stelle wurde mit keinem geringeren als Musikproduzent und DJ Basti Schwarz von Tiefschwarz begangen. Der bei MAGNET EVENTS immer gern gesehene Gast hat auf dem Theaterfloor ein grandioses und schwungvolles House Sets losgetreten mit housiger Unterstützung von den Saarbrücker Groove-Urgesteinen Ron Schatte und Househerr Michael Kastel. Für den kleinen Durchatmer zwischendurch sorgen die Jazzysounds von Hentzup in der entspannten Lounge. Als Résumé dieses ersten Abends der magnetisch-blauen Kooperation lässt sich definitiv festhalten: House Music passt so gut ins BLAU wie eh und je – dicht gefolgt von der etwas härteren Gangart. Denn in der Gießkanne lieferten sich Kenny B. und Sven Sossong ein 6-stündiges Techno-B2B vom feinsten und rissen damit selbst skeptische Zeitgenossen in ihren Techno-Sog auf einer Anlage, die sich ordentlich mit Bass gepudert hatte. Insgesamt ein mehr als gelungener Auftakt, der jetzt schon Lust auf die Fortsetzung im November macht.
Aber auch die blauen Klassiker starten wieder so richtig durch. Der dienstägliche FISH wird nach seiner Rückkehr aus dem HORST immer voller und bietet eine mitreißende Mischung aus Studenten, Gastroleuten und Freunden des Hauses. Zudem wartet auch dieses Kultevent ab sofort mit wechselnden Gast DJs auf: Samsonite, Schotti, Ryan Leroy und Meister Kastel himself sorgen hier zusätzlich für Abwechselung! Wenn dieser Veranstaltungmix als alt und neu der neue Richtwert im BLAU sind, dann geht hier in nächster Zukunft wieder richtig was. Genau eine Wochen später schlug die MAGNET EVENTS Crew dann auch noch die Zelte in ihrem zukünftigen Hauptquartier auf. Mit Techno-Größe Kerstin Eden wurde es im HIRSCH wie erwartet nicht nur ordentlich laut, sondern dank der vielköpfigen Feiermeute auch richtig schön kuschelig, denn schließlich folgten der erfolgreichen DJane eine beträchtliche Schar an tanzwütigen Technojüngern. Nur zwei kurze Wochen später lud Magnet Events dann zur ersten LOKALRUNDE – und gab damit schon mal einen Vorgeschmack, auf das, was uns in Zukunft hier erwarten wird: richtig gute Stimmung mit richtig guter Atmosphäre und – was auch sonst – richtig gutem Techno! Wer sich von der neuen MAGNET-HIRSCH-Kooperation überzeugen will, kann das als nächstes am 8. Oktober machen, gemeinsam mit CORTECHS vom Kölner Label Nachtstrom und den Locals Fred M, Lana Del Tigre und Klaus Radvanowsky machen. Davon, dass immer mehr Kneipen am Markt den Saarbrücker Clubs Konkurrenz machen, kann man halten was man will. Wenn es sich dabei um bestens gemachte Festivitäten wie die SOUNDS OF BERLIN im ORO handelt, dann lässt sich zumindest spaßtechnisch kaum was gegen sagen. Diese ungemein beliebte Party kehrt damit in ihre Ursprungsstätte am St. Johanner Markt zurück gekehrt. In dieser Nacht wurde der Laden, der ja
eigentlich als Restaurant und Bar von sich Reden macht, komplett zu einem Club umgestaltet mit Special Light Show, CO2 Kanonen, fetter Soundanlage, rotem Teppich vor der Tür, und, und, und… Das bewährte DJ-Team wurde natürlich nicht verändert und so lieferten DJ Moh und sein „BFAM“ aus Berlin aka WALDORF & STATIER haben natürlich wieder höchst selbst alles an den Decks gegeben. Bestens vorbereitet war die wilde Fahrt schon durch das Warm Up von Markus Möwius. Kurz, das war eine Hammer-Party in einer mega Location, deren Lockruf auch die Polizei nicht widerstehen konnte, die zu später Stunde extra mal vorbei kam, um sicher zu stellen, dass der Schalldruck auch amtliches Partielle erreicht. Der Gast DJ aus Berlin konnte es sich dann auch nicht nehmen lassen, die letzte Stunde mit den Gästen tanzend auf dem Dancefloor zu verbringen bis sein Hemd klatschnass war. Aber bis Dezember wird das getrocknet sein, denn dann erst steigt die nächste Ausgabe! Und wem die Zeit bis dahin zu lang ist, der kann ja schon mal im Supermarkt mit Lebkuchen und Spekuatius vorglühen.
In diesem Sinne und take care J.K.T


















