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Kino & Filme

Toni Erdmann

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser Film ist vermutlich der beste deutsche Film des Jahres. In Cannes von wirklich jedem gefeiert (hüllen wir mal über die diesjährige Jury das Mäntelchen des Schweigens). Maren Ades „Toni Erdmann“ kommt dermaßen lebensklug und erfrischend daher, dass es eine wahre Freude ist, dem ungewöhnlichen Vater-Tochter-Gespann – brillant verkörpert von Peter Simonischek und Sandra Hüller – bei ihrem fast dreistündigen Annäherungsgeplänkel zuzusehen. Vater Winfried möchte Tochter Ines wieder naher kommen. Sie ist eine taffe deutsche Businessfrau, die in Rumänien ungefähr das macht, was Clooney bereits in „Up in the Air“ vorexerziert hat: Firmen zeigen, wie man am besten Leute „freisetzt“. Vater Winfried tut sich da mit seiner Clown-Attitüde anfangs schwer, gibt aber nie auf und erobert mit seinem schiefen Gebiss, Perücke und falscher Toni-Erdmann-Identität zuerst die Zuschauer und irgendwann auch wieder die fast schon als humorlos verloren geglaubte Ines. Wie ein Virus aber mit stets perfektem Timing schleicht sich Erdmanns anarchisch-absurde Lebhaftigkeit in die starr-nüchterne Geschäftswelt der Tochter ein, bis er im grandiosen letzten Drittel bei einem Karaoke-Abend aus ihr heraus schreit, all der Wahnsinn, der uns als Normalität verkauft wird.
D 2016 – Komödie
Regie & Drehbuch: Maren Ade (Alle Anderen)
Darsteller: Sandra Hüller (Requiem), Peter Simonischek (Oktober, November), Lucy Russell (World War Z), Trystan Pütter (Almanya)
Länge: 162 Minuten
Kinostart: 14. Juli 2016
Läuft wo: Camerazwo Saarbrücken
Wertung: 9 von 10 Sternen

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